Grußwort des 1. Vorsitzenden – Daniel Geschwandtner

 

Als vor 50 Jahren einige engagierte Züchter aus dem Großraum Osnabrück den SV der Züchter Hamburger Sticken in der Hoffnung, sowohl die Qualität und Quantität als auch die Verbreitung einer alten Hamburger Lokalrasse im gesamten westdeutschen Bundesgebiet voranzutreiben, gründeten, hatte niemand vorhersehen können, dass dieses Vorhaben gelingen sollte. Heute kann man unsere Tauben alljährlich in hoher Güte und angemessener Tierzahl auf vielen Groß- und  Lokalschauen bewundern. Dabei zeigt sich, dass insbesondere das kecke Wesen, die Struktur einer Mövchentaube und die Vielfalt der Farbpalette den Besucher vor den Käfigen der Sticken zum Innehalten bewegt. Allein in diesem Jahr werden auf beiden Sonderschauen zusammen mehr als 180 Hamburger Sticken in allen zugelassenen Farbenschlägen der Preisrichterschaft präsentiert. Die Aussteller kommen aus allen Teilen der Bundesrepublik. Durch zielorientierte züchterische Arbeit wurden viele Rassemerkmale dem Standard entsprechend verbessert und genetische manifestiert, so dass Erfolge nicht ausblieben. Dreimal wurde in den vergangenen Jahren mit G. Reuhl ein Züchter Hamburger Sticken Deutscher Meister.

Begünstigt wurde diese Entwicklung, durch den Zusammenschluss des SV mit der Spezialzuchtgemeinschaft (SZG) Hamburger Sticken der ehemaligen DDR  nach der politischen Wende 1990/91. Auch im Osten unseres Landes gab es eine feste Züchterschaft, deren Tiere durch Vitalität und Zuchtfreudigkeit glänzten und den Genpol auffrischen konnten. Ohne größere Übergangsschwierigkeiten, ohne Neid und Gezänk, entfaltete sich ein freundschaftliches Miteinander sowie ein fairer Wettstreit im Sinne der Rassetaubenzucht.

Die von den Züchterfamilien bestens organisierten Sommertreffen führten uns in den vergangenen Jahren quer durch Deutschland, von der Nordseeinsel Sylt bis in den Thüringer Wald. Neben geselligen und unterhaltsamen Augenblicken, kam das fachliche Züchtergespräch unter Gleichgesinnten nicht zu kurz. Regelmäßige Tierbesprechungen und Fachvorträge schärften den Blick auf die Rassemerkmale. Der rege Austausch von Tiermaterial sorgte für eine Streuung und Auffrischung des Erbgutes.      

Das Erscheinungsbild eines Sticken bewegte die Gemüter seit jeher und führte des Öfteren zu Misshelligkeiten. Wie soll es eigentlichen aussehen, das Hamburger Sticken? Diese Frage lässt sich nicht einfach durch den Verweis auf die Musterbeschreibung im momentan gültigen Rassestandard beantworten. Seit der Entstehung vor rund 100 Jahren in Hamburg und Umgebung, hat sich das äußere Gesamtbild, wie bei fast allen Taubenrassen, verändert. Nicht die Meinung einzelner oder gar territoriale Befangenheiten und Befindlichkeiten dürfen das Aussehen einer Rassetaube vereinnahmen oder Merkmalsausprägungen in die ein oder andere Richtung bestimmen. Vielmehr führt die Suche nach akzeptablen und anerkannten Kompromissen einer möglichst großen Anzahl interessierter und fähiger Züchter zum Ziel. Vordergründig ist dabei, unseren Tauben keine Extreme anzuzüchten. Überproportioniert breite, wulstartig vorgewölbte Köpfe mit voll senkenden sehr kurzen Schnäbeln und heraustretenden Augen sollten genauso verpönt sein wie zu kleine, schwache, farblich unattraktive und zuchtunwillige Tiere. Es freut mich, dass in der letzten JHV einvernehmlich das derzeitige Standardbild als anzustrebendes Ideal anerkannt wurde. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist es, dass die Verbesserung der Zuchtfreudigkeit verbunden mit einer nachhaltig verbesserten Brutpflege, die allen Tauben von Natur aus angeboren ist, ins Protokoll aufgenommen wurde. Nur durch Gleichsinn und Vernunft kann man auch in Zukunft neue Züchter werben, die Rasse erhalten und den Preisrichtern die Arbeit erleichtern.

All das ist das Ergebnis einer soliden Vereinsarbeit und einer geschlossenen Vorstandschaft, für die ich mich an dieser Stelle bedanken möchte.

Auch in Zukunft bleibt es Aufgabe aller Mitglieder, andere Menschen von der Liebenswertigkeit unseres Hobbys zu überzeugen und für unserer Rasse zu werben. Nur wer rechtzeitig für Züchternachwuchs sorgt und die Erfahrungen an Jüngere weitergibt, wird Kulturgut bewahren können. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es umso wichtiger einen Ruhepunkt zu finden, um gegenüber der oft hektischen Arbeitswelt einen Ausgleich zu schaffen.

Mein besonderer Dank gilt unserem Ehrenvorsitzenden D. Seinsche, der in 34 Jahren als 1. Vorsitzender die Geschicke des Sondervereins beharrlich, optimistisch und stetig nach vorn schauend lenkte. Auch in schwierigen Zeiten, als die Mitgliederzahlen sanken und die Meldezahlen auf Schauen in den Keller gingen, bewahrte er Ruhe und nannte die Probleme beim Namen.

Die vorliegende Chronik erinnert noch einmal in kurzer und bebilderter Art und Weise an die wesentlichen Meilensteine in der Historie des SV. Ich danke allen, die an der Entstehung beteiligt waren und zum Gelingen beitrugen.

  

In der Hoffnung, dass es auch zukünftig noch viele Züchter gibt, denen der Umgang und die Liebe zu unseren Hamburger Sticken am Herzen liegt und die nachhaltig die Traditionen des SV weitertragen, verbunden mit den besten Wünschen nach Gesundheit, Frieden und Gottes Segen, verbleibe ich mit einem herzlichen Glück Auf!    

Komplette Chronik (als Online-Buch)

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